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Archive for November, 2010

Schule und Dunstabzugshauben

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Frau Ministerin weis offenbar nicht, dass man zunächst ein Fachgebiet gelernt haben muss, bevor das Internet eine Hilfe ist. Volle Zustimmung. Ich wundere mich nur noch, wie man auf so einen Schwachsinn überhaupt kommen kann. Was sollen denn die Kleinen überhaupt lernen? Zunächst sollte man ja wohl erstmal die Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen. Vorher ist es wohl eh nix mit dem Internet (außer dumm rumklicken). Abgesehen davon gibt es in den Lehrplänen die Überlegung, daß man spiralförmig vorgeht. Also zunächst Dinge anreißen, die dann später einmal in höheren Jahrgängen vertieft werden. Was bitte gibt es für “normale” Schüler aber über das Internet heutzutage zu demonstrieren, was nicht genauso gut anders ginge? Ok, Sprachen kann man besser lernen (von der Motivation her), wenn man z.B. Mails schreibt mit internationalen Partnerschulen. Dann hört es aber auch schon auf. Mathe, Physik, Chemie, Deutsch, Werte und Normen/Religion, Geschichte, Sozialkunde, Informatik – wo bitte gibt es da für Schüler <=10. Jahrgang (eigentlich sogar bis zum Abitur) irgendwas sinnvolles per Internet oder Rechner zu erkunden, was nichtgenauso gut oder besser per Buch ginge? Ok, “Informationsbeschaffung”. Super: Nur, genau diese kann man auch anhand eines kurzen Praktikums rüberbringen, oder die Kids machen sowas mal in ihrer (reichlich vorhandenen) Freizeit. Oder soll es dahin gehen, dass unser Nachwuchs lernt, das alles Wissen schon im Internet steht? Wenn auf einer Webseite steht 2*3=7, dann wird das so übernommen? Oder sucht man dann eine Handvoll Vergleichsseiten, und entscheidet sich für die Mehrheit als richtiges Ergebnis? Zudem gilt bei den Lehrplänen die Regel, dass man nicht reinschreibt, was die Kids sowieso lernen oder sich leicht beibringen können, wenn sie die Grundlagen (lesen, schreiben, rechnen, denken) gelernt haben. Sonst müsste man ja auch z.B. reinschreiben: “Telefonauskunft anrufen”. Wohl jeder Erwachsene, der unser Schulsystem durchlaufen hat, bekommtes aber selbstständig hin, die Auskunft anzurufen. Und das, obwohl weder “Telefonauskunft anrufen” im Lernplan steht noch Telefone zum Unterrichtsgegenstand gehören! Ich vermisse jedoch eine entscheidende Kulturtechnik seit Jahren beiden ganzen Diskussionen: Denken. Bevor man das gelernt hat, nutzt Lesen, Schreiben, Rechnen und erst recht das Internet nichts.”Denken lernen” heißt aber “sich anstrengen”. Und das ist unpopulär,lässt sich nicht so gut medienwirksam vermarkten. Außerdem verdient die Internet-/PC-Wirtschaft nichts daran. Ich vermute, es würde *viel* mehr dabei herauskommen, wenn man das gesammelte Wissen z.B. unserer Unis endlich mal so aufbereiten würde, dass ein normal begabter Mensch Zugang dazu findet (man kann das Lernen ja leichter machen, z.B. durch bessere Erklärungen, Praktika usw.). Vielleicht nicht Zugang zu jedem Beweis, aber so dass man eine faire Chance hat, wenigstens die Idee zu verstehen. In Kurzform: Schluss mit miserablen Skripten und Büchern, die zu 99% aus(unverständlichen und teilweise falschen oder an den Haaren herbeigezogenen) Formeln bestehen. So etwas ist zum *Lernen* ungeeignet. Ich wundere mich jeden Tag auf das neue, was so alles an wirklich nützlichen Dingen publiziert wurde (gerade im Informatikbereich). Nur leider kennt es keiner oder versteht es keiner. Wenn man *dort* Geld und Arbeit investieren würde, vermute ich einen größeren (wirtschaftlichen und kulturellen) Erfolg als durch “Schüler-Laptops”. Oder wenn man in den Naturwissenschaften den Leuten nicht das Geld für Laborversuche streichen würde oder Räume nicht genutzt werden können, weil kein Geld da ist für eine Dunstabzugshaube. Und vermarktet hat dieses Wissen in Deutschland erst recht niemand. Stattdessen produzieren wir ja lieber infantile TV-Serien. Sollte Frau Bulmahn vorhaben, in den Bereich der Aufbereitung von Wissen zu investieren, stellt sich aber die Frage, wozu dann jeder einzelne Schüler einen Laptop braucht. Dann wäre es wohl in der Tat effektiver, in den Schulen würde man zentrale Räumlichkeiten bereitstellen, meinetwegen eben auch mit Internetzugang. Zudem ist Hardwarekauf eine der besten Arten, (Steuer-)Geld zu verbrennen. Ich hoffe, das Niveau unseres Nachwuchses passt sich nicht (aus lauter Bequemlichkeit) dem geistigen Niveau unserer Politiker an.

Written by admin

November 23rd, 2010 at 9:08 am

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